Keine rechten Winkel

In Ickern steht eine Parabelkirche – ein Gotteshaus, das in Deutschland seines Gleichen sucht

Dezember 2018, Jens Lukas

Wer die Antoniuskirche in Ickern betritt, ahnt es bereits: Dieses Gotteshaus ist ein besonders. Und tatsächlich. Sie ist die einzige Parabelkirche in Deutschland, in der es noch Gottesdienste gibt.

Die Kirchen der St. Ludgerus-Gemeinde in Bottrop sowie der Heilig Kreuz-Gemeinde in Gelsenkirchen-Ückendorf wurden in den vergangenen Jahren aufgegeben.

Markant ist die blockhafte Fassade der Kirche am Ickerner Markt. Der gesamte Innenraum dieser ersten modernen Kirche in Castrop-Rauxel und Umgebung ist durch Parabeln perfekt gestaltet worden. Dies gelang nur mithilfe des in den 1920er Jahren noch neuen Spannbetonverfahrens.

Mit Ecken und Kanten

Die religiöse Seite der Kirche soll durch die rundlich fließende Harmonie des Innenraumes symbolisiert werden. Die weltliche Dimension wird bezeichnet durch die Außenseite mit ihren Ecken und Kanten.

Trotz schwierigster wirtschaftlicher Situation als Folge des 1. Weltkrieges konnte die arme Bergarbeiterpfarrei Ickern von 1922 bis 1925 diese bedeutende Kirche erbauen.

Dies wurde ermöglicht durch die Tatkraft des damaligen Pfarrers Franz Hillebrand, die finanzielle und materielle Hilfe der Klöckner-Werke und durch die großen Eigenleistungen der Gemeindemitglieder.

Vom Industriearchitekten

Durch den Industriearchitekten Alfred Fischer (1881 bis 1950) entstand somit die erste Parabelkirche in Deutschland – vielleicht sogar in Europa – mit der Grundform einer Basilika. Das heißt: mit Längsschiff, mit zwei Seitenschiffen und einer Apsis.

Die Außenseite der Kirche wurde dagegen in traditioneller Weise gebaut: Mauerwerk aus Ziegeln, senkrechte Seitenwände mit Dach, davor ein mächtiger Turm. Das Äußere prägen rechteckige Formen und kantige Verzierungen.

Fischer baute aber noch mehr in Ickern: die benachbarte Marktschule im Jahr 1926 sowie auch das Hochdruck-Kesselhaus des Zechenverbundes Victor III/IV) von 1920 bis 1922.